kollektion

Was ist eine Kollektion?

Das Wort Kollektion kommt aus lateinischen: 

collectio = „das Zusammenlesen, Zusammenbringen, Ansammeln“.

In der Modesprache bezeichnet man als Kollektion eine konzeptionell zusammenhängende und bewusst strukturierte Auswahl von Kleidungsstücken und Accessoires, die nach gestalterischen, funktionalen und semantischen Kriterien zusammengestellt ist.

Charakteristisch für eine Kollektion sind:

  • ein übergeordnetes Gestaltungskonzept (Designkonzept),
  • eine stringente Formsprache,
  • eine abgestimmte Farb- und Materialpalette,
  • wiederkehrende Silhouetten, Schnitte, Details und Verarbeitungstechniken.

Ziel einer Kollektion ist es, eine kohärente ästhetische Aussage zu vermitteln und gleichzeitig markt- und zielgruppenorientierte Anforderungen zu erfüllen. Innerhalb einer Kollektion stehen die einzelnen Modelle in einem formalen, funktionalen und stilistischen Zusammenhang, bleiben jedoch als eigenständige Produkte trag- und vermarktbar.

Eine Kollektion wird nach modischen, strategischen, wirtschaftlichen und kaufmännischen Aspekten zusammengestellt, die Design, Produktionsplanung und Verkauf maßgeblich bestimmen.

Bei sogenannten vertikal integrierten Unternehmen, Discountern und Konzernen ist das klassische Modell von zwei Hauptkollektionen pro Jahr inzwischen weitgehend aufgelöst. Stattdessen werden in kurzen Abständen zahlreiche kleinere Kollektionen entwickelt und auf den Markt gebracht – teilweise bis zu 50 Kollektionen jährlich.

Kollektionsbreite  /  Sortimentsbreite

Die Dimension Sortimentsbreite beschreibt die Menge an unterschiedlichen angebotenen Warengruppen. Ein Unternehmen, das Kinder,- Damen,- Herrenbekleidung und Heimtextilien anbietet, hat ein breites Sortiment.

Kollektionstiefe  /  Sortimentstiefe

Das Sortiment eines Unternehmens wird als tief beschrieben, wenn eine angebotene Warengruppe in besonders vielen Varianten vorhanden ist. Eine Wäschehersteller zum Beispiel hat ein tiefes Sortiment.

Kollektionsrahmenplan

Im Kollektionsrahmenplan werden alle Punkte eine Kollektion betreffend von der Entwicklung über die Produktionsphase bis hin zum Vertrieb festgehalten. Er ist die Operationsbasis für alle Abteilungen des Unternehmens, die direkt mit der Kollektion beschäftigt sind. Er gibt den zeitlichen Fahrplan für die Kollektion vor. In ihm wird beispielsweise festgehalten, welche Modelle der Kollektion, wie oft angefertigt werden und wann die Kollektion in welchen Mengen an den Verkaufspunkten angeboten wird.

Die Modeindustrie und ihre Kollektionsstruktur

Die Modeindustrie ist ein komplexes System, das sich in verschiedene Marktsegmente, Preisklassen und Kollektionsformen unterteilen lässt. Eine vereinfachte Darstellung der Modehierarchie beginnt im oberen Preissegment mit der Haute Couture und reicht über hochwertige Konfektion bis hin zum Massen- und Niedrigpreissegment.

 

Vereinfacht lässt sich die Hierarchie der Modeindustrie wie folgt darstellen:

  1. Haute Couture 
    maßgeschneiderte, exklusive und handgefertigte Mode im Luxussegment
  2. Prêt-à-Porter / Ready-to-Wear (RTW)
    hochwertige, konfektionierte Designer- und Luxusmode
  3. Diffusion- und Bridge-Lines
    zugänglichere Produktlinien etablierter Designer- und Luxusmarken
  4. Middle Market / Contemporary Fashion
    modische Konfektionsware im mittleren Preissegment
  5. Mass Market / Fast Fashion
    große Stückzahlen, schnell wechselnde Kollektionen und niedrigere bis mittlere Preise
  6. Niedrigpreissegment / Value Market
    preisorientierte Mode mit Fokus auf hohe Stückzahlen und geringe Verkaufspreise

Diese Einteilung ist als vereinfachtes Modell zu verstehen. Die Grenzen zwischen den einzelnen Segmenten sind fließend und können sich je nach Marke und Geschäftsmodell überschneiden.

Kollektionsstruktur im Luxury- und High-End-Markt

Im oberen Segment der Modeindustrie bilden Haute Couture und Prêt-à-Porter die wichtigsten Kollektionsformen.

Die Haute Couture steht an der Spitze der Modepyramide. Sie umfasst individuell angefertigte, besonders aufwendig verarbeitete Kleidungsstücke und zeichnet sich durch einen hohen Anteil an Handarbeit, exklusive Materialien und eine sehr begrenzte Produktion aus.

Das Prêt-à-Porter (Ready-to-Wear) bildet die kommerziellere Ebene des Luxus- und Designersegments. Die Kleidungsstücke werden in standardisierten Größen konfektioniert und können von Kund:innen direkt erworben werden. Trotzdem stehen Design, Qualität und Markenidentität weiterhin im Vordergrund.

Traditionell werden die Hauptkollektionen zweimal jährlich präsentiert:

  • Frühjahr/Sommer (Spring/Summer)
  • Herbst/Winter (Fall/Winter)

Die jeweilige Kollektion wird dabei in der Regel etwa sechs Monate vor Beginn der entsprechenden Saison vorgestellt.

Zwischen- und Sonderkollektionen im Luxury- und Premiummarkt

Neben den beiden Hauptkollektionen haben sich weitere Zwischensaison-Kollektionen etabliert. Dazu gehören insbesondere:

  • Cruise Collection / Resort Collection
  • Pre-Fall Collection

Die Cruise- bzw. Resort Collection wird zwischen den klassischen Frühjahr/Sommer- und Herbst/Winter-Kollektionen angeboten. Ursprünglich war sie vor allem auf Kund:innen ausgerichtet, die während der Wintermonate in wärmere Regionen reisten. Heute sind Cruise- und Resort-Kollektionen ein wichtiger Bestandteil vieler Luxus- und Premiummarken.

Die Pre-Fall Collection dient als Übergang zur Herbst/Winter-Saison und wird häufig bereits vor der eigentlichen Herbst/Winter-Kollektion im Handel angeboten.

Darüber hinaus können Marken Couture-Kollektionen, Capsule Collections, Limited Editions oder Kooperationen entwickeln. Diese ergänzen das reguläre Kollektionsangebot und können gezielt bestimmte Zielgruppen, Anlässe oder Trends ansprechen.

Produktlinien innerhalb eines Modelabels

Ein etabliertes Modelabel kann gleichzeitig unterschiedliche Produktlinien für verschiedene Zielgruppen und Preissegmente anbieten. Dazu gehören beispielsweise:

  • Haute Couture / Couture
  • hochwertige Prêt-à-Porter- bzw. RTW (Ready To Wear) -Kollektionen
  • Diffusion- oder Bridge-Lines
  • Accessoires und Lederwaren
  • Parfums und Beauty-Produkte
  • weitere Einstiegsprodukte

Auf diese Weise kann eine Marke unterschiedliche Kundengruppen erreichen und gleichzeitig ihre Markenidentität über verschiedene Preis- und Produktstufen hinweg ausbauen.

Kollektionsrhythmus im Middle Market und Mass Market

Je weiter man sich in der Modepyramide in Richtung Middle Market und Mass Market bewegt, desto höher wird in der Regel die Frequenz der Produktneuheiten.

Neben den klassischen Frühjahr/Sommer- und Herbst/Winter-Kollektionen werden zusätzliche Zwischen-, Sonder- und Themenkollektionen entwickelt. Dazu zählen beispielsweise:

  • Pre-Spring / Early Spring
  • High-Summer
  • Back-to-School
  • Holiday- und Festtagskollektionen
  • Christmas- und Party-Kollektionen
  • Occasion- und Event-Kollektionen
  • Trend- und Themenkollektionen
  • Limited Editions und Kooperationen

Insbesondere im Fast-Fashion-Bereich wird der klassische saisonale Kollektionsrhythmus zunehmend durch einen kontinuierlichen Warenfluss ersetzt. Anstatt nur wenige große Kollektionen pro Jahr zu präsentieren, werden regelmäßig neue Produkte, kleinere Kollektionen und sogenannte Drops auf den Markt gebracht.

Je nach Anbieter können dadurch 20 bis 24 oder mehr Kollektions- bzw. Produktstarts pro Jahr entstehen. Teilweise werden sogar wöchentlich neue Artikel in die Stores und Online-Shops integriert.

Vom Zwei-Saison-Modell zum kontinuierlichen Kollektionszyklus

Die Entwicklung zeigt, dass sich die Modeindustrie zunehmend von einem klassischen Zwei-Saison-Modell hin zu einem ganzjährigen Kollektions- und Produktzyklus bewegt.

Während im Luxury- und High-End-Segment die traditionellen Hauptsaisons Frühjahr/Sommer und Herbst/Winter weiterhin eine wichtige Rolle spielen und durch Cruise/Resort und Pre-Fall ergänzt werden, arbeiten Middle Market und Mass Market mit deutlich kürzeren Entwicklungs- und Verkaufszyklen.

Damit lässt sich die Modepyramide nicht nur über Preis, Exklusivität und Produktionsmenge, sondern auch über die Geschwindigkeit und Häufigkeit der Kollektionszyklen betrachten: Je weiter man sich in Richtung Mass Market und Fast Fashion bewegt, desto häufiger werden neue Produkte und Kollektionen auf den Markt gebracht.

 

Die Modepyramide

HAUTE COUTURE

exklusiv · maßgeschneidert · höchste Preislage

PRÊT-À-PORTER / Ready-to-wear

Designer · Luxus · hochwertige Konfektion

DIFFUSION / BRIDGE LINES

zugänglichere Designerlinien

MIDDLE MARKET

mittleres Preissegment

MASS MARKET / FAST FASHION

hohe Frequenz · große Stückzahlen

LOW PRICE / VALUE MARKET

preisorientiert · hohe Stückzahlen

fashion business coaching  –  coach  –  seminare  –  kontakt  –  fashion news  –  impressum  –  AGB  –  datenschutz